Hunter Longe
*1985 in Kalifornien, lebt in Genf

Dissolution of the State, Test I, 2025, Portlandzement, Marmorsand, Kalk, Peristaltikpumpe, Silikonschlauch, Salzsäure, Wasser, Photo: Michel Gilgen
Hunter Longes Projekt reflektiert die Zyklen von Leben und Tod und zeigt auf, wie lebendige Organismen und fossile Überreste geologische Materialien wie Kalkstein formen. Er setzt menschliche und geologische Dimensionen in Beziehung und fragt nicht zuletzt auch nach den gesellschaftlichen Machtstrukturen, welche ähnlich der baulichen Strukturen, der Entropie, der Auflösung wie auch der Heilung unterliegen, und wie Spuren aus der Vergangenheit, die durch diese Kräfte geformt wurden, unser Heute prägen. Prozesse wie Biomineralisation und organischer Zerfall tragen auf dem Hof zu einem stetigen Materialkreislauf bei – und lassen die Grenzen zwischen Belebtem und Unbelebtem, Biologischem und Mineralischem verschwimmen. 2025 zeigte der Künstler erste Tests seines zweijährigen Projekts zum Thema der Erosion bzw. Auflösung von Kalkstein (und Beton, der aus Kalkstein gewonnen wird) sowie zur „Selbstheilung“ antiken römischen Betons. Daraus entstanden sich wandelnde Skulpturen, die sich allmählich auflösen oder selbst reparieren. 2026 führt der Künstler seine Forschungen weiter, um einen vertieften Einblick in die Mineralogie und die biomineralische Schnittstelle auf dem Bauernhof zu gewinnen. Als Ausgangspunkt dient recycelter Beton aus Bauabfällen als Basis für eine sich wandelnde, erodierende Skulptur. Wasser respektive die lokalen Quellen dienen als wichtigen Bestandteil der bio/geochemischen Reaktionen und Prozesse des Auf- und Abbaus von Materie. Das Projekt verbindet ästhetische Bezüge zu Kalksteinlandschaften und Bestattungspraktiken mit einer kritischen Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen. Im Dialog mit Geologie, Architektur und Chemie entstehen Ansätze für nachhaltigere Materialien – und Reflexionen darüber, wie sich Prozesse von Auflösung und Erneuerung auch auf gesellschaftliche Systeme übertragen lassen.